tennis runs in our blood

Es ist Krieg! Mental und unerbittlich. An sich habe ich mir daher genau den falschen Sport ausgesucht, wenn man es so betrachtet. Ich bin einfach zu gutmütig und nicht so sehr der Kämpfer, jedenfalls nicht mehr. In der Jugend kannte ich nur wenig Erbarmen mit meinem Gegner und kämpfte oft Stunden und sogar mal blutend bis ich dann endlich als Sieger vom Platz ging. In dieser Zeit hatte ich aber genau das, Zeit, Zeit um auf dem Platz zu sein, Stunden damit zu verbringen, Bälle zu schlagen und mit meiner Mannschaft zu trainieren. Vor und nach dem offiziellen Training war ich an der Ballwand oder eben mit einer Tenniskollegin auf dem Platz. Bis die Sonne unterging…. Und dann kommt das Leben und man muss sich seine Freizeit besser einteilen. Ab da verlor ich schlicht weg den Faden für den Wettkampf. Ohne Tennis kann ich nicht Leben. Mit 5 Jahren habe ich angefangen zu spielen und es fehlt mir, sobald ich zwei Wochen darauf verzichten muss.

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Es waren nicht meine Eltern, die mich dazu gebracht haben, aber Sie haben mir die ersten Trainerstunden organisiert. Es lief so. Ich wollte Tennis spielen und habe das im Kindergarten meiner Französischlehrerin erzählt. Die meinte darauf ganz knapp, Sie hätte da einen Schläger für mich. Mit diesem kleinen rosa farbenen Schläger und ein paar Bällen bin ich dann zusammen mit meiner Mama losgefahren. Auf den Tennisplatz und an die Ballwand. Das ging ein paar Mal so, bis ein Mann aus dem Verein meine Mutter darauf angesprochen hat, ob Sie mich nicht anmelden und ins Training bringen will. Ich kann wirklich behaupten, seit diesem Tag ein Training nur wegen Krankheit oder ganz schlechtem Wetter verpasst zu haben. Nach ein paar Jahren wurde ich dann alt genug für den Wettkampf in der Bambinirunde. Das nennt man heute U12 oder U14. Jedenfalls ging es dann recht schnell und ich stand auf der ersten Position. Dort sollte ich während der Jugendzeit auch die meisten Jahre stehen bleiben. Ich war gut weil ich es wollte. Jeden Ball, den ich nicht erreicht habe wollte ich beim nächsten Mal bekommen und legte mich dafür auch mal aufs Maul. Diesen Ehrgeiz habe ich bis heute, egal ob im Training oder im Wettkampf. Was ich aber komplett verloren habe ist meine mentale Stärke, ein Spiel komplett durchzuhalten. Wer von euch selbst Tennis spielt, der weiß um die Dynamik. Den ersten Satz gewinnen, den zweiten verlieren. Passiert viel zu oft! Ein 7:5 kann extrem langweilig gewesen sein, weil jeder nur Fehler gemacht hat und ein 0:6 ein harter Kampf. Da mir die Spielpraxis fehlt habe ich ein gewaltiges Problem. Es fehlt mir das Vertrauen in mein Können. Ich kämpfe selten wirklich mit dem Gegner, dafür aber ausschließlich mit mir. Schon im Training merke ich, sobald es um Punkte geht zieht sich meine Handbremse an. Bälle gehen kaum über die T-Linie hinaus (sau schlecht weil unter Druck + Angriffsballgefahr) und mein Aufschlag wird zu einem kümmerlichen Doppelfehler. Wo ist mein Ass hin?

Tennis runs in our blood

Wenn ich rennen und nicht überlegen muss, dann klappt alles wie von selbst, nur reicht das leider nicht aus, wenn man zuvor ganz viele leichte Fehler gemacht hat. Der Ball verhungert in der Luft, viel zu oft. Aber was macht man, gegen das mentale Loch? Einen Coach der einen aufbaut! Der draußen steht, einen beruhigt und unterstützt. Das hat mir immer sehr geholfen und ich habe es gebraucht. Leider reicht das jetzt nicht mehr. Wir sind schlichtweg in eine höhere Klasse aufgestiegen und es herrscht ein anderer Wind auf dem Platz. Es geht um Punkte machen und nicht Fehler vermeiden. Gegner sind immer häufiger der Nachwuchs für eine noch höhere Klasse und das merkt man. Da stehen 13jährige Mädels mit einer Technik und Schlagkraft, an die kam ich nicht mal in meinen besten Zeiten ran. Also verliert man. An sich nicht schlimm, gehört dazu und gegen einen besseren Gegner zu verlieren ist keine Schande. Dennoch, es nagt an einem. Du schlägst dir den kompletten Sonntag um die Ohren und backst auch noch Kuchen, um nicht einmal zu schwitzen und im schlimmsten Fall gleich zu 0 vom Platz zu gehen? Ich habe die Reißleine gezogen. Mein Sport ist mir zu wichtig, um ihn mir durch den Wettkampf, der mich schlicht überfordert, verderben zu lassen. Ein Jahr Pause habe ich mir jetzt genommen. Vielleicht muss ich einspringen, aber im Moment hält meine Mannschaft mir den Rücken frei und dafür sage ich Danke. Ich nehme mir ein Jahr um mich mental aus diesem Krieg zu lösen und dann 2016 hoffentlich wieder erfolgreich anzugreifen!

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Lieblingsbild von mir, als kleiner Knopf in der Tennishalle. An den Tag kann ich mich sogar noch erinnern! Es war ein Tunier und ich durfte anschließend noch mit ein paar Herren spielen und ich wollte unbedingt gewinnen! In meiner kindlichen Erinnerung habe ich das natürlich auch. Da trug ich beim spielen auch noch stolz meine FlickFlack Uhr. Den Schläger gibt es sogar noch, nur ist er am Schlägerkopf komplett gerade. Ich hatte nicht genug Kraft, ihn festzuhalten und er flog daher nach so ziemlich jedem Schlag davon und das mochte der Rahmen nicht mehr leiden. Sorry Head!

Wer sich für die mentalen Techniken etwas interessiert, dem kann ich die folgenden beiden Bücher nur empfehlen. Vieles davon konnte ich erfolgreich für mich umsetzten und halte mich daran fest, wenn die Bälle fliegen. Einmal Winning Ugly: Mentale Kriegsführung im Tennis von Brad Gilbert*, mein absolutes Liebingsbuch zum Thema und The Inner Game of Tennis: The classic guide to the mental side of peak performance* Ich glaube, jeder, der an etwas hängt und darin besser werden will, der informiert sich und holt Hilfe. Ich tue das auch und im Moment nehme ich mir ganz krass diese Pause. Dennoch stehe ich jede Woche auf dem Platz und gebe im Training alles, springe ein, wenn Plätze frei sind und will zocken. Denn Tennis ist für mich nicht nur Wettkampf um Gewinnen oder Verlieren sondern viel mehr. Tennis gehört in mein Leben und dort will ich es haben. Tennis runs in my blood!

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3 Kommentare

  1. Ich bin zwar in der Nähe einer Sportanlage (Tennisanlage) aufgewachsen, habe mich mit meiner Schwester auch oft zum zuschauen dort hingeschlichen. Aber selbst wurde es nie mein Sport, ich bin eher die Dartsportlerin. So habe ich leider auch keine Tipps o.ä. für dich. LG

  2. Wow, der Text ist wirklich schön geschrieben! Da merkt man richtig, wie du den Sport liebst! Das war bei mir damals das schwimmen – da hatte mich meine Mama damals angemeldet und bin dann vom Seepferdchen gleich in die Wettkampf Truppe gekommen. Irgendwann stand mir das aber zu sehr im Vordergrund (also der Wettkampf) und ich habe aufgehört 🙁 Fehlen tut es mir auf jeden Fall noch.

    Liebe Grüße
    Ekiem (^.^)/

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