Southside 2016 – Ein Festival im Schnelldurchlauf

Natürlich war die Vorfreude groß, als ich meinen kleinen Peugeot mit Zelt, Kühltasche und Kleidung beladen habe um nachmittags zum Southside zu fahren. Mein Freund konnte unverhofft früh nach Haus kommen und so starteten wir einige Stunden früher in Richtung Neuhausen ob Eck. Wir hatten tatsächlich nur am Ende einen Stau zum Parkplatz, konnten aber dann direkt neben dem Eingang parken, unser Bändchen innerhalb von 10 Minuten am Arm tragen und fanden auch recht schnell noch einen guten Platz für unser Zelt.

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Es war höllisch heiß und wir waren beide klatsch nass geschwitzt aber unser Zelt stand, das Bier war kalt und wir hatten einen herrlich unverbauten Blick auf die Green Stage, den Hirschen und das Riesenrad. Mit einem Bier wurde unser Campingplatz erkundet und wir gönnten uns veganes Abendessen. Ich bin so verliebt in veganes Chili jetzt! Großes Hallo mit unseren Freunden und eine versuchte Busfahrt später betraten wir nach einem kleinen, 30 minütigen Gewaltmarsch Festivalboden. Erstmal erkunden, Handbrot essen, Pfälzer kennen lernen und dann ab zur White Stage.

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Dort verbrachten wir das Konzert von Maeckes im Sitzkreis mit neuen Bekannten und weiterhin viel Bier. Gemeinsam stürmten wir dann das Zelt um die Ostblock Schlampen zu sehen. Es wurde sofort jedes Kleidungsstück vom Körper entfernt und wir erkämpfen uns einen tollen Platz, an dem wir tanzten, sangen und lachten bis der Schweiß von der Decke tropfte. Glücklich, nass und müde traten wir nach dem Austausch unserer Handynummern den Weg zum Zelt an. Der erste Tag somit ein riesen Erfolg.

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Are you ready for the Southside?

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Freitag morgen erwachte ich nach nicht einmal 3 Stunden Schlaf. Es wurde heiß und stickig. Gegen halb sieben schnappte ich meine Duschtasche und zog los. Rudelduschen! Aber ich fand das Duschzelt sau praktisch, ein Tisch und ca. 20 Duschen ohne Schlange und das Wasser war soooo herrlich. Anschließend ein Apfel zum Frühstück und entspannen. Irgendwann rollte sich der Mann aus dem Zelt und machte sich ebenfalls frisch. Um kurz vor 9 Uhr erreichten wir wieder zu Fuß das Festival Gelände. Ein gutes Frühstück und eine runde Shoppen im Festival Store stand auf dem Plan. Mein Handbrot hatte ich schnell und für den Freund fanden wir auch Red Bull, für den Rest mussten wir uns anstellen hatten aber Glück und die Schlange war richtig kurz. Bepackt mit Wasser, Eiswürfel, Cola und Salamibrötchen wollten wir zurück zum Zelt. Auf halber Strecke mussten wir im Schatten rasten. Es war einfach zu heiß! So ging es uns dann den ganzen Tag. Im Schatten liegen, immer wieder den Wasserkanister über den Kopf leeren, an Bier war nicht zu denken. Nach einer erneuten Dusche waren wir aber happy, nun endlich mit den Freunden zusammen die über das ganze Festivalgelände laufen zu können und die ersten Band zu sehen.

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Wir stürmten das Riesenrad und machten tausend sonnenbeladene Fotos. Es wurde geshoppt, Handbrot gegessen, Vegane Burger probiert und an der Trinkwasserstelle halt gemacht. Wirklich jeder wollte sich nur nass machen und schüttete Wasser in sich hinein und so glich diese eher einem Wasserloch in der Wüste mit vielen Wasserschlachten. Ab zum Jägermeister Hirsch, er sollte wie immer unser Mittelpunkt werden und der Treffpunkt bei Kontaktverlust. Dort trafen wir weitere Bekannte und gaben uns der Bierlust im Schatten eines übertrieben geilen Hirschen her und schickten dem Tätowierer unseres Vertrauens ein etwas anderes Gruppenbild. Um uns vor die Bühne zu stellen war einfach zu heiß und abwechselnd hatte immer jemand mit der Hitze zu kämpfen. Ich flitze gleich zwei mal zum Zelt zurück um mein Oberteil zu wechseln, Sonnencreme zu holen oder den Hut vom Freund zurück zu bringen. Dann begann es leicht zu tröpfeln. Ab in den leichten Sommerregen und Abkühlung genießen. Viele tanzten bereits zu Flogging Molly in den ersten Pfützen und die Stimmung war ausgelassen.

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Es dauerte nicht lange und die Regenponchos wurden ausgepackt, der Regen wurde doch stärker als uns lieb war und so suchten wir im Platzregen Schutz im Zelt der White Stage. Ein kotzendes Einhorn, ein neues Bier und erstmal abtrocknen. Keine 10 Minuten später wurde die Durchsage gemacht, wir sollten bitte direkt in unsere Autos gehen und dort bleiben. Blicke in die Runde, das ist Ernst! Also gab es nur einen Weg, direkt zurück zum Campingplatz und dann ins Auto. Wir liefen durch Pfützen, die Schuhe komplett nass, egal! Auf halber Strecke mussten wir uns trennen und verblieben mit einem „wir halten Kontakt“. Kurze Unterhaltung mit dem Freund ob direkt zum Auto oder erst noch Zelt? Wir waren beide klatsch nass. Also erst Zelt, trockene Klamotten, Pullover, Gummistiefel holen und dann weiter. Geistesgegenwärtig warf ich in der kleinen Regenpause nicht nur Kleider sondern auch Trinken und Äpfel in einen Müllbeutel und wir zogen direkt weiter zum Auto. Dort sollten wir auch bleiben, die ganze Nacht.

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Immer wieder hörten wir CampFM und die Ansage „im Auto zu bleiben“ wurde weiterhin bestätigt. Zwar hatten wir neben dem Stop am Zelt noch einen Stop am Dixi eingelegt, dennoch drückte mich meine Blase. Immerhin hatte ich wohl neben 3 Liter Bier auch sicher 5 Liter Wasser getrunken. Was tun? Es regnete immer mal wieder leicht und wer weiß, wann es vorbei ist? Also versuchte ich ein Dixi zu finden. Leider ohne Chance und das erkannte ich wirklich nicht zu spät. Es begann wieder zu regnen und wurde stockdunkel, ich zog meinen Poncho über und rannte leicht verwirrt über den Parkplatz zu meinem Auto. Dabei dachte ich noch „Hey, sau coole Choreo!“ und wollte das Schauspiel der vielen Warnblinker filmen. Ließ es dann aber sein und rannte weiter. Sofort wurden mehrere Autotüren aufgerissen und gerufen „hier ist noch ein Platz frei!!“ WOW!!! Ich war total geflasht! Im Radio wurde nämlich durchgesagt, man solle bei Platz im Auto mit dem Warnblinker herumirrenden Menschen so Zuflucht geben. Wieder zurück im Auto ging die Welt unter. Eine Gewitterfront, die ich so noch nie gesehen habe zog über unsere Köpfe hinweg. Zum Teil konnten wir das Auto neben uns gar nicht mehr sehen und der Hagel macht mir wirklich Angst. Wir versuchten zu schlafen, was immer nur für eine Weile klappte und plötzlich schlug ein Blitz, wenige Meter von uns entfernt, in den Boden ein. What a night! Dann, irgendwann gegen 3 Uhr beruhigte sich das Wetter ein wenig. Die ersten zogen los um Ihre Zelte abzubrechen, wir blieben im Auto. Erst gegen 4 Uhr unternahmen wir einen Kontrollgang, noch mit der Taschenlampe bewaffnet stellten wir erleichtert fest, unser Zelt steht! Zwar an einer Stelle zusammen gesunken aber tapfer stand es da. Eine kleine Pfütze und eine nasse Luftmatratze von unseren Klamotten aber der Rest war wirklich in Ordnung. Fix packen wir die weitere Klamotten zusammen und schleppten unsere Schlafsäcke mit ins Auto. Dann noch ein herumliegendes Bier klauen und in der Morgensonne über die vergangenen Stunden sprechen.

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Um 5 Uhr dann die Nachricht via Southside App: „Abgesagt!“ Was wir die halbe Nacht schon vermutet hatten war nun Tatsache. Was nun? Ab ans Zelt, alles einpacken und dann los! Gesagt getan und in welchem Tempo. Ich trennte die Gegenstände nach „nass“ und „trocken“ um das im einsetzenden Regen dann auf „nass“ und „noch nicht so nass“ umzustellen. Mit dem Bollerwagen konnten wir wirklich alles auf einmal zurück zum Auto bringen. Der Freund übernahm das Fahren. In einer kleinen Senke blieben wir stecken. Ich sprang aus dem Auto um zu schieben und bekam sofort Hilfe von einem Mann. Gemeinsam schafften wir und so trafen unsere Autoräder um kurz vor 6 Uhr auf Asphalt und wir waren weg. Danach fiel ich in ein Koma und verbrachte die komplette Heimfahrt schlafend. Gegen halb 9 Uhr erreichten wir den Megges in der Heimat und ich telefonierte mit meinem Papa. Kurze Fahrt später parkten wir vor meinem Elternhaus. Zelt und alle nassen Gegenstände wurden in der Garage und im Garten zum trockenen aufgehängt da uns dafür in der Wohnung schlicht der Platz fehlte. Danach fuhr ich uns nach Hause, kaufte Essen und wir schliefen beide tief und fest. Irgendwann begannen wir uns Nachrichten anzuschauen und Fotos vom Southside vor und besonders nach dem Sturm tauchten auf. Mir wurde klar, wir hatten verdammt viel Glück!

Auf dem Grüner Wohnen waren bei weitem nicht so viele Menschen und auch unser Parkplatz lag höher. Unser Zelt stand ebenfalls am höchsten Punkt des Zeltplatzes und wurde nicht von einem herumfliegenden Pavillon platt gemacht. Keiner von uns wurde verletzt und alle Freunde und die neuen Bekannten schafften es gesund und ohne größere Schäden nach Hause. Wir sind verdammt glücklich und erleichtert. Am Ende waren wir schon traurig über die Absage durch den Veranstalter aber es war die richtige Entscheidung! Keiner hätte gewollt, dass es noch mehr Verletzte gibt, keiner will alle paar Stunden zum Auto flüchten und dort auf unbestimmte Zeit sitzen bleiben, keiner will mit einem Bus zu einer Turnhalle gefahren werden, keiner will ständig nass bis auf die Knochen zwischen Bühne und Evakuierung hängen. Auch das Sicherheitspersonal, mit dem wir zu tun hatten, war super! Tief beeindruckt hat mich wieder einmal die Hilfsbereitschaft der Menschen! Egal ob ein Platz im Auto, dem Öffnen eines Zaunes oder beim Schieben aus dem Matsch, sofort sind helfende Hände da und packen mit an.

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Mein Fazit?
Wir haben Donnerstag und den Freitag bis vor dem Sturm eine richtig geile Festivalzeit gehabt und ich konnte alles tun, was zu einem Festival gehört. Klar sind wir traurig um die vielen tollen Bands aber dafür haben wir eine Nacht hinter uns, die wir nie wieder vergessen werden. Und das wirkliche Festival-Must-have ist ein guter Regenschutz. Mein Bundeswehrregenparka hat mich trocken und warm gehalten, er war die beste Neuanschaffung überhaupt!

Danke an meinen Freund und meinen Peugeot! Ihr habt mir in dieser Nacht beigestanden und das Leben gerettet! Danke an den Veranstalter, die Gemeinde und alle Helfer vor Ort, es war richtig diese Entscheidung zu treffen. Danke an die Traktoren, die kostenlos die Autos aus dem Schlamm geholt haben. Wir werden wieder kommen! Den am Ende bleibt es ein super organisiertes Festival mit einem beeindruckenden Gelände und so viel leckerem Essen, dass man gut gestärkt tanzen kann.

Ich hoffe, dass auch ihr viel Glück hattet und das Festival nass aber gesund verlassen konntet!

 

3 Kommentare

  1. They must be lots of delicious food over there and it look like you had so much fun. I love festival. You have amazing blog and I follow you on BLOGLOVIN.

  2. Oh man, das klingt tatsächlich dramatischer als bei uns auf dem Hurricane, auch wenn das Unwetter bei uns schon am Donnerstag einsetzte. Trotzdem echt schade, dass es abgesagt wurde. Aber wirklich besser so. hier im Norden rechneten wir ja auch alle damit, aber irgendwie konnte die Absage vermieden werden. Auch wenn auch wir viel Zeit im Auto verbringen mussten. Zum Glück seid ihr aber nicht verletzt worden!

    Wir hoffen jetzt einfach darauf, dass es nächstes Jahr um einiges besser wird ??

    Cheers!
    Jan

    • Das ist lieb von dir! Ich hab mich ehrlich gefreut, dass es für euch auf dem Hurricane besser gelaufen ist. Auch wenn es bestimmt ätzend war! Für nächstes Jahr bin ich einfach guter Hoffnung, dass die Sonne mitfeiert 🙂

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