Drachenmaul Blouson, Prioritäten und Burnout Gedanken

Wie wichtig es ist, Prioritäten zu setzten und sich dann auch selbst fest daran zu halten, das habe ich im vergangenen Jahr gelernt. Oft etwas zu spät, tränenreich und nicht zuletzt habe ich den Mangel mit extremen Schmerzen und Monatelangem Sportverbot bezahlt. Der neue Job hat mich heftig gefressen und so blieb kaum Zeit für meine Freizeit. Dort bin ich dann auch regelrecht in Freizeitstress verfallen und wollte das Leben nicht einfach nur vorbei ziehen lassen, sondern auch alles mitnehmen, überall am Start sein, online sein und habe nichts wirklich ganz gebacken bekommen. Woher den auch? Ich bin kein Mensch, der mit 5 Stunden Schlaf auskommt und das Chaos gelassen nehmen kann. Meine Strukturen sind mir wichtig und so war mein To Do Zettel viel zu voll und es fehlte mir an Pausen und ich konnte den Kopf nach der Arbeit oft nicht direkt ausschalten. Lange Arbeitszeiten und eine Sandwichposition haben mich gefressen. Es sagt sich so einfach „man muss Prioritäten setzten“ aber wie soll das gehen, wenn ununterbrochen das Telefon klingelt, dein Postfach im Minutentakt sich füllt und jeder der Erste sein möchte? Mich selbst zu organisieren war da mit Nichten möglich und so habe ich reagiert aber nicht unbedingt nachhaltig agiert.

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Nach ein paar Monaten kam ich dann auch der Punkt, dass ich wie gelähmt war. Ich begann morgens um 5 Uhr im Bett bereits im Kopf die ersten Emails zu beantworten und träumte von der Arbeit. Ich saß lieber länger im Büro anstatt Dinge liegen zu lassen und die Überstunden prasselten nur so auf mich ein. Für Privates hatte ich zwar noch Zeit, jedoch war ich doch oft nicht wirklich ansprechbar oder lenkte die Gespräche auf meine Arbeit, um mir den Frust von der Seele zu reden. Das größte Hindernis für mich stellte dabei mein Pflichtgefühl dar. Ich kann Dinge nicht einfach liegen lassen und denken „nach mir die Sinnflut, wird sich schon einer melden“. Ganz im Gegenteil. Meine Aufgaben nehme ich ernst und arbeite oft bis in die kleinen Details hinein. Genickbruch bei einer Emailflut! Irgendwann tauchte dann auch das Wort „Burnout“ in meinen Gedanken auf. Ich halte es definitiv für eine Krankheit unserer modernen Welt. Antworten müssen sofort gegeben werden, Aufgaben vorgestern erledigt sein und wer möchte schon um 16 Uhr nach Hause gehen? Performen und funktionieren ohne Unterbrechnung und dabei Höchstleistungen erzielen. Mir passierten große und kleine Fehler und ich habe mich daran zerfleischt. Einen Ausgleich habe ich im Sport gesucht und dabei so übertrieben, dass ich am Ende heute noch Schmerzen in meiner Schulter habe. Tennis oder Freelatics? Seid Monaten nicht mehr und wer weiß, wann ich wieder komplett fit bin? Pech gehabt!

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Endlich, der entscheidende Break und die Chance, Klarheit in meinem Kopf, meinem Postfach und mit meinem Chef zu bekommen. Fast 10 Tage verbrachte ich mit einem Krankenschein daheim. Nach den Tagen im Büro war ich abends nicht mehr in der Lage meine Gabel schmerzfrei zu halten, da zog meine Ärtzin die Notbremse. Erst plagte mich ein schlechtes Gewissen, dass meine Arbeit nun mit abgefangen werden muss. Das war ziemlich heftig für die Kollegin aber ich nutzte die Zeit um in meinem Kopf aufzuräumen und meiner Schulter die zwingend notwendige Pause zu gönnen. Zurück im Büro und wieder Vollgas geben. Das ging schon besser aber ich versank erneut, war mir aber darüber klar, dass ich dringend mit meinem Chef das Gespräch suchen muss. So konnte ich nicht mehr weiter funktionieren. Es ginge zwar irgendwie aber was ist den das für eine Leistung? Also haben wir klaren Tisch gemacht. Der Druck brach sich in Tränen seinen Weg und mein Chef fing mich auf. Und nicht nur er, alle Kollegen stärkten mir den Rücken und ließen es sich nicht nehmen mir Hilfe anzubieten sondern auch einfach die eine oder andere Sache direkt zu übernehmen. So konnte ich auf den letzten Metern im Jahresabschluss dann wieder den Mut fassen und mich innerlich von dem Druck der anstehenden Aufgaben befreien.

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Ich bin also angekommen, im neuen Job und habe das erste Jahr voller Höhen und Tiefen überstanden. Das erste Mal Weihnachten, Planung, Sonderthemen und Jahresabschluss liegen hinter mir. Nicht nur, dass ich jetzt viele neuen Themen kenne und Dinge kann, auch auf emotionale Weise habe ich viel dazu gelernt. Meine neuen Kollegen und der Chef sind der doppelte Boden und mein Sicherheitsnetz. Jeder steht hinter jedem und ich hoffe recht bald viel von der Hilfe zurück geben zu können. Die Faustregel besagt, das erste Jahr einer großen Veränderung ist das härteste, danach wird es leichter. Ich drücke mir selbst die Daumen das es stimmt und habe mir fest vorgenommen, an meinen Prioritäten festzuhalten. Wenn ich etwas nach rechts und links schaue dann ist es doch so, der eine Kollege mach Druck, weil er selbst gerne um 17 Uhr zu Hause sein möchte oder die nächsten Tage auf Reisen ist und seine Antwort sofort möchte. Eine Deadline kann man auch mal verpassen und drei Tage später erst anfangen und am Ende des Tages sind alle Menschen, die Land unter sein können. Ich muss lernen die Gelassenheit festzuhalten und besser einzuschätzen, welches „Wichtig“ wirklich wichtig ist und wo vielleicht etwas mehr Zeit gegeben werden kann. Es ist schon fast wieder sehr amüsant, in welcher Form „Wichtig“ über „Super Wichtig“, „Top Urgent“, „Super Urgent“ bis hin zu „Mega Urgent“ gesteigert und der Betreff mit Ausrufezeichen und Großbuchstaben erweitert wird.

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Ein paar Worte noch zu meinem Look. Ich bin stolz darauf keine Frustkäufe zu betrieben. Beim Shoppen bin ich mir treu geblieben und habe weniger dafür dann ganz bewusst neue Stücke für meinen Kleiderschrank ausgesucht. Bomberjacken und Blouson gehören zur aktuellen Modewelt einfach dazu und neben meiner Zara Bomberjacke mit bunten Patches habe ich mich für die ausgefallene aber dennoch ruhige Blouson Jacke mit dem wunderschönen Drachenmaul Print von H&M entschieden. Der leichte Stoff fühlt sich sehr gut an auf der Haut und im Büro kann diese Jacke locker den Blazer ersetzten. Modisch punkte ich im neuen Job von Beginn an ziemlich gut! Den Rest bekomme ich auch noch in den Griff indem ich weiter an mich selbst glaube und einfach ein Kämpfer bin.
 

Grundsätzlich gilt immer eins nach dem anderen und zur Not?
Lass liegen!

 

Einen verdammt großen Dienst hat mir in dieser Zeit mein Freund erwiesen. Er hat mich aufgefangen, mit Essen aufgepäppelt aber auch mal auf die Finger gehauen und mir immer wieder Mut gemacht für mich selbst einzustehen und meine Freiräume zu erkämpfen. Er hat mir zugehört und mich auch aus dem Strudel der dummen Gedanken gerissen, abgelenkt und ins Bett gebracht. Ich konnte mit ihm weinen, fluchen und dennoch immer wieder lachen. Das letzte Jahr hat mir erneut gezeigt, dass ich einen wunderbaren Menschen an meiner Seite habe und die nächste Priorität ist ganz klar für mich, wir werden heiraten und das soll ein fettes Fest werden! Die To Do Liste ist schon in Arbeit….
 
 

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