Bereitet uns das Bloggen noch Freude?

Da sitzen wir nun gemeinsam in der Küche, die im übrigen mehr als nur Instagram tauglich sondern ein echter Wohntraum ist. Vier Blogger bei frisch gekochtem Kaffee und selbstgebackendem Kuchen und sprechen darüber, ob wir noch Freude am Bloggen haben. Die Bloggerwelt hat sich in den letzten Jahren sehr verändert und wurde deutlich professioneller. Manche konnten ihr Hobby zum Beruf machen und die Branche entwickelt Spielregeln, an die man sich scheinbar halte muss, um noch Reichweite und Leser zu finden. Gekaufte Follower, die Gier nach Content und intransparente Kooperationen sind in aller Munde und werden heiß diskutiert. Einheitliche Bildsprache und professionelle Fashion Fotos, die mit Print Medien locker mithalten. Der perfekte Instagram Feed mit abgestimmten Bildern, deren Reihenfolge peinlich genau geplant wird. Viel Zeit, Geld und Talent kommen zusammen um mit einer Portion Glück einen erfolgreichen Blogger oder Influencer zu ergeben. Auch diese beiden Begriffe und wie diese Artverwandte sind ist ein heißes Eisen. An dieser Stelle halte ich mich aber von jeder Diskussion fern. Für mich ist das Bloggen ein schönes Hobby mit dem ich vor ein paar Jahren die Möglichkeit gefunden habe, meine wachsende Begeisterung für die digitale Fotografie mit Erlebnissen zu verbinden. Neben dem Blog begann ich auch Instagram zu nutzen. Dabei hatte ich keinen Plan im Kopf sondern habe einfach mal losgelegt und nutze beides für die Dinge, auf die ich Bock habe. Der große Erfolg bleibt aus, die Followerzahlen schießen nicht durch die Decke und die Geld bringenden Kooperationen sucht man bei mir vergeblich. Dennoch hat meine digitalen Welt einen Platz in meinem Herzen.

Freundschaft unter Bloggern

Wir vier haben einen ganzen Nachmittag miteinander verbracht und lassen diesen nun gemütlich ausklingen. Ein paar Instagram Stories wurden gemacht und das eine oder andere Bild geteilt. Wir hatten kein Stativ dabei, um unser Kaffeekränzchen viral abzufeiern und wir verlinken uns auch nicht ohne Ende. Wir teilen unsere Zeit aber wir lassen daran nicht das ganze Internet teilhaben.
Unser Blogs haben ganz verschiedene Schwerpunkte aber wir teilen die Leidenschaft, unserer Interessen anderen zugänglich zu machen. Wir lieben die Inspiration und den Austausch mit Lesern und anderen Bloggern. Daraus entstand eine Freundschaft und wir sind uns menschlich nah, verbringen gerne unsere Zeit gemeinsam und unterstützen uns bei allem möglichen im normalen Leben. Natürlich ist das Bloggen in unseren Gespräche immer wieder Thema. Wir hinterfragen die Entwicklung und jeder von uns stellt mehr oder weniger fest, dass die Freude am Bloggen manchmal leidet. Dabei spielt es kaum eine Rolle, wie viele Follower oder Seitenaufrufe wir haben. Mangelnde Motivation, fehlende Zeit und das Gefühl von Gelähmtheit, sobald man den Blick nach links und rechts wirft, ist uns allen bekannt. Mich hat das sehr beruhigt! Auch wenn mir bloggen wirklich Freude macht, so fällt es mir zur Zeit sehr schwer. Meine Gedanken und Gefühle sind ein wildes Durcheinander und es gelingt mir schlicht nicht, Worte zu finden. Gedanken habe ich mir vor allem über das Gefühl der Gelähmtheit gemacht. Was macht es mir im Moment so schwer, einfach in die Tasten zu hauen, Fotos zu bearbeiten und meine vielen Ideen in die Tat umzusetzen? Was lähmt mich? Eine große Hemmschwelle ist mein gewachsener Anspruch an Bilder und Texte. Das betrifft den Blog genauso wie Instagram. Sobald ich meinen Feed anschaue begegnen mir professionelle Bilder, der perfekte Lifestyle und eine unfassbare Energie. Jeder scheint sein Leben total im Griff und wundervoll im Bild zu haben. Ohne Pause wird ein Feuerwerk von Content abgefeiert und dieser mit wunderschönen Menschen, Avocados und Tulpen garniert. In einer professionellen Welt der Blogger fühlt es sich so an, als wäre für den Blog als Hobby kein Platz mehr. Die Messlatte wird nicht nur optisch sondern auch durch die vielen lieb gemeinten Beiträge zur Erweiterung der eigenen Reichweite, für den perfekten Instagram Account und den entspannten Start in den Morgen immer weiter nach oben gelegt. Hygge muss der neue Lifestyle ebenfalls sein! Ich kann also gar keine neuen Menschen mehr erreichen, denen meine Fotos gefallen, wenn diese nicht alle mit dem identischen Filter bearbeitet sind? Aber so ist mein Leben nun einmal nicht! Niemand lebt ein perfektes Leben, bei dem die natürliche Belichtung immer stimmt. Mir ist vieles davon zu wieder, da ich mich nicht damit identifizieren kann. Perfekt gestellte Fotos, die mit einem eigentlich schönen Text und Thema gepostet werden aber unterm Strich geht es dabei nur um Werbung. Das alles nimmt mir im Moment etwas die Freude am Bloggen. Es ist nach wie vor nicht mein Ziel, aus meinem Blog mehr zu machen als ein Hobby, aber es ist auch sehr schwer, sich von der perfekten und professionellen Bloggerwelt nicht einschüchtern zu lassen.

Effektiv bloggen oder faul sein?

Wie viele Bilder braucht es für einen runden Blog Post? Reichen Handyfotos für Instagram wirklich nicht mehr aus? Muss ich immer neue Bilder bearbeiten und online stellen oder kann ich auf mein Archiv zurückgreifen um so einen fertigen Text nicht in den Entwürfen verschimmeln zu lassen? Darf ich nicht auch mit wenigen Seitenaufrufen stolz auf meine Leistung sein? In meiner kleinen Bloggerblase finde ich mit meinen Gedanken zu meiner Freude ehrliche Gesprächspartner und uns beschäftigen diese Themen gleichermaßen. Manche ziehen für sich ganz klare Konsequenzen, stehen zu ihrem Blogloch und ich ziehe wiederum Motivation aus ihnen. Aus diesem kleinen und feinen Bloggerkreis erhalte ich Rückhalt und neue Denkanstöße. Bloggen ist etwas feines! Wer es professionell aufziehen mag und für sich daraus einen Beruf macht, der muss ganz viel Können und Durchhaltevermögen mitbringen. Für mich bin ich ziemlich froh, das mein Blog mein Hobby ist und ich darüber nicht mein Leben finanzieren und somit kein Stück davor viral verkaufen muss. Wenn ich Bock auf ein Thema habe, dann beschäftige ich mich damit und schreibe gerne einen Beitrag dazu. Mir macht es nach wie vor immer wieder Laune, ein Outfit online zu stellen, welches ich auch wirklich so getragen habe und jeder ganz leicht nachmachen kann. Meine Reiseberichte lese ich selbst durch, und freue mich über jede Erinnerung, die ich so schnell verfügbar wachrufen kann.

Ich habe mir erlaubt, für diesen Beitrag die Fotos von dem Foto Workshop für Blogger mit Frl. K sagt Ja und Life is full of Goodies zu verwenden. Mir gefallen diese nach wie vor unglaublich gut und die Erinnerung an diesen Workshop feuert meine Lust zu Bloggen auch heute noch an. Dabei ist es mir schnuppe, ob das jetzt gut oder schlecht ist in Bezug auf SEO. Ich weiß einfach, dass es da draußen ein paar Menschen gibt, die diesen Beitrag lesen und sich an unser Gespräch in dieser Küche erinnern werden. Euch will ich erreichen, denn ihr habt mich Motiviert, diese Worte festzuhalten. DANKE

Vielleicht auch interessant: Hilfe! Mein Blogroll ist langweilig

6 Kommentare

  1. Ach, du! Was für ein großartiger Post! Du sprichst mir aus dem Herzen – mir hat unser Gespräch auch so viel gebracht! Danke!!

  2. Liebe Chrissy, du sprichst mir in vielen Bereichen voll aus der Seele! Es hat sich viel geändert, Menschen haben sich dadurch verändert. Ich bin mit der kleinen feinen Meute die auch im realen Leben geblieben sind sehr froh. Das sie es von 2.0 ins 1.0 geschafft haben liegt aber gerade an ihrer bodenständigen Art. Nicht dieses abgehobene, immer gleiche Hochglanz Gedönse. Ich mag schöne Bilder, keine Frage, aber mit Herz geschossene Bilder sind mit doppelt so lieb wie die identischen Bilder mit den gleichen Möbeln die durch meinen Feed rauschen!
    Und aufm Blog: wie Du selbst schreibst! Ich will mich viral nicht unterwerfen. Ich will nicht Nachhaltigkeit predigen und gleichzeitig nen Amazon Affilate Link darunter haben!
    Außerdem ist weder mein Blog noch mein Instafeed als Dauerwerbesendung vorgesehen.
    Viele merken es nicht, aber auch die Menschen selbst verändern sich dadurch! Manche, die ich 2013 bei ner Bloggerkonferenz kennengelernt habe sind für mich heute kein Thema mehr. Weil sie sich einfach nicht treu geblieben sind. Und das ist nicht zu verwechseln mit weiterentwickeln!
    Ich mag Deinen Blog, Dein Insta, Deinen Mann und Dich so wie Ihr seid: natürlich, frech, ehrlich! Und es ist mir vollkommen egal ob Eure Bilder ins Schema F passen! Ne net egal ich bin froh drum! Mach weiter so wie du es magst! Und liebe Grüße an Deinen Mann!

    Ganz liebe Grüße

    Rita

    PS:

    Die weiße Seite meines Flurs ist das beste Beispiel: Lob in höchsten Tönen, sogar auf FB , was ja nicht so einfach ist wegen dem Algorithmus!

    • Vielen Dank für deine Worte 🙂 Es freut mich wahnsinnig deine Meinung zu lesen und ich bedanke mich auch für die Komplimente für unsere virtuelle Welt. Ich bin voll bei dir! Lieber folge ich Menschen als perfekten Bildern. Gemeinsame Erinnerungen, tolle Empfehlungen für Essen, Reisen und das allgemeine Leben kann man wunderbar über einen Blog transportieren und es braucht dafür einfach keine Dauerwerbesendung zu sein.

  3. Liebe Chrissy,
    ich finde es toll, dass du dich dazu bekennst, nicht bei allem mitmachen zu müssen. Als ich mit meinem Blog angefangen habe, habe ich mich auch gefragt, was kann ich schreiben, um viele Leser zu bekommen, welche Themen passen in diese neue Welt …? Aber ich habe ziemlich schnell festgestellt, dass das nicht zu mir passt und ich darüber auch niemals gut schreiben könnte. Am Ende geht es doch darum, dass wir Spaß daran haben, an unserem Blog zu werkeln. Den Mehrwert bringen wir dann durch unsere Sicht auf die Dinge ein, und nicht die massentauglichen Einheitsbrei-Meinung und Optik. Ich glaube daran, dass es irgendwann wieder in eine andere Richtung umschlägt, in der mehr Individualismus gefragt ist. Lassen wir uns nicht einschüchtern.
    Danke für deine Worte und viele Grüße
    Desirée

    • Hey Danke für deine Worte! Ich würde mir wünschen, dass es sich wieder in die Richtung entwickelt, dass wir über Blogs uns austauschen und die Perfektion wieder der Liebe zum bloggen weicht 🙂 Umso schöner ist es, wenn man schon ein paar Gleichgesinnte gefunden hat und sich über diese den Rückhalt und die Ermutigung abholen kann. Liebe Grüße

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.